Lebensmittelgeschäfte – Eine Spurensuche

Unsere Archivare Wolfgang Schlesiger und Hans-Joachim Schroeter kamen vor einiger Zeit beim Einscannen und Ordnen von Archivbildern auf eine Idee. Sie begannen mit der gezielten Spurensuche nach den früher zahlreich vorhandenen Lebensmittelgeschäften in Bodelschwingh und Westerfilde. Fotos wurden analysiert, Adressbücher gewälzt, Werbeanzeigen gesichtet, Handelsregister durchstöbert und Zeitzeugen befragt. Daraus entstand eine umfangreiche Ausarbeitung. Entlang der Straßenzüge wurden die Ergebnisse der Recherchen anschaulich zusammengestellt. Es entstanden viele Folien mit vergleichenden Bildern der Standorte früher und heute, sowie mit den Namen der Kaufleute und deren Geschichten. Bei mancher Spur blieben Fragezeichen. Was wissen unsere Mitglieder und Gäste eventuell noch aus ihrer lebendigen Erinnerung an Fakten beizutragen?

Am 11. Oktober 2022 wurde die erste Präsentation mit den gefundenen Spuren aus Dortmund-Bodelschwingh vorgestellt. Wolfgang Schlesiger und Hans-Joachim Schroeter haben aus den Folien diesen Film gemacht:

Auch von der zweiten Präsentation am 8. November 2022 über die Spurensuche in Dortmund-Westerfilde ist ein Film entstanden:

Sind Ihnen beim Anschauen der Filme alte Erinnerungen erwacht? Gab es besondere Ereignisse oder Anekdoten, die Ihnen dazu wieder eingefallen sind? Können Sie vielleicht zur Lösung der einen oder anderen offen gebliebenen Frage beitragen? Wir sind sehr an Ihrer Rückmeldung interessiert. Nehmen Sie doch einfach Kontakt mit uns auf. Wir freuen uns darauf, mit Ihnen gemeinsam die Spurensuche noch weiter voran zu treiben.

Bericht: Gerd Obermeit, Filme: Wolfgang Schlesiger und Hans-Joachim Schroeter

Er kam von hier wech

Johann Wilhelm Möllmann war Soldat im Befreiungskrieg der Preußen gegen die Armee von Napoleon (1813-1815). Er diente im 1. Westfälischen Landwehr-Infantrie-Regiment. Am 3. Juli 1815 ist er vor den Toren von Paris bei der Schlacht von Issy gefallen. Johann Wilhelm Möllmann war am 30. März 1790 in Bodelschwingh getauft worden. (Quelle: Dr. Ziesing). Weil es zu jener Zeit so zu sein hatte, ließ seine Taufgemeinde eine Gedenktafel (siehe Bild) für ihr im Krieg gefallenenes  Gemeindeglied anfertigen. Viel mehr wissen wir nicht über seine Person.** Er kam auf jeden Fall „von hier wech„, weshalb wir ihm mit der Archivierung seiner Gedenktafel ein Andenken bewahren wollten. Es ist davon auszugehen, dass die Gedenktafel zunächst an der Wand in der Schlosskirche hing. Bis wann, und was danach damit geschah, läßt sich heute nicht mehr nachvollziehen. Gefunden wurde sie im Jahre 1977 beim Abbruch der ehemaligen Gaststätte „Alt Bodelschwingh“ auf der Deininghauser Strasse. Der als sehr heimatverbunden bekannte Mitbürger Friedhelm Hertz (1930-2011) war darauf aufmerksam geworden und nahm sie an sich. Von ihm gelangte die Tafel schließlich viele Jahre später in unser Archiv.

Johann Wilhelm Möllmann war Soldat im Befreiungskrieg der Preußen gegen die Armee von Napoleon (1813-1815). Er diente im 1. Westfälischen Landwehr-Infantrie-Regiment. Am 3. Juli 1815 ist er vor den Toren von Paris bei der Schlacht von Issy gefallen. Johann Wilhelm Möllmann war am 30. März 1790 in Bodelschwingh getauft worden. (Quelle: Dr. Ziesing). Weil es zu jener Zeit so zu sein hatte, ließ seine Taufgemeinde eine Gedenktafel (siehe Bild) für ihr im Krieg gefallenenes  Gemeindeglied anfertigen. Viel mehr wissen wir nicht über seine Person.** Er kam auf jeden Fall „von hier wech„, weshalb wir ihm mit der Archivierung seiner Gedenktafel ein Andenken bewahren wollten.

Gedenktafel für Johann Wilhelm Möllmann
Foto: Gerd Obermeit

Es ist davon auszugehen, dass die Gedenktafel zunächst an der Wand in der Schlosskirche hing. Bis wann, und was danach damit geschah, läßt sich heute nicht mehr nachvollziehen. Gefunden wurde sie im Jahre 1977 beim Abbruch der ehemaligen Gaststätte „Alt Bodelschwingh“ auf der Deininghauser Strasse. Der als sehr heimatverbunden bekannte Mitbürger Friedhelm Hertz (1930-2011) war darauf aufmerksam geworden und nahm sie an sich. Von ihm gelangte die Tafel schließlich viele Jahre später in unser Archiv.

Warum ich jetzt zu diesem Thema berichte:

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Landwirtschaft und Industrie in Bodelschwingh

Wie es im Leben so geht: Meine Frau geht öfter auf einen Trödelmarkt, kauft dann so „dies und das“, meist mehr für Familie und Freunde als für sich selbst. Sie weiß, dass ich gern (und viel) lese und mich in unserem Heimatverein Bodelschwingh und Westerfilde mit den „alten Zeiten“ beschäftige. So brachte sie mir ein Buch mit, das mich  allein schon vom Gewicht her beeindruckte: Es war die

Chronik des Ruhrgebiets

und darin auf der Seite 380 dieses Bild, das ich dann auch in Kleinform auf der vorderen Umschlagseite in der Bilderkollage entdeckte:

Foto von 1928: Zeche Westhausen aus der Sicht der Straße Wachteloh,  in Dortmund-Bodelschwingh“ , veröffentlicht in der Chronik des Ruhrgebiets des Chronik Verlages, WAZ Buch, Herausgeber Bodo Harenberg, 1987, Seite 380.

Das Foto (s/w) hat den Kontrast von Landwirtschaft und Bergbau zum Thema. Im Vordergrund die geernteten Korngarben, im Hintergrund, fast die ganze Breite des Fotos füllend, die Tagesanlagen der Zeche.

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Die Brothusaren (9)

Zwei verschiedene Beiträge zum Thema

1.) Aus „Heimatblätter für Castrop und Umgegend, Nr. 3, März 1923

Die Brothusaren (von Friedrich Schopohl)

,,Not kennt kein Gebot“. Bettelei ist verboten, aber was sollten arme Leute machen, wenn sie unverschuldet in Not kamen. Sie mussten betteln.

Da sie sich des bettelns schämten, gingen sie nachts, schwärzten ihre Gesichter mit Ruß und klopften bei Bauern ans Fenster. Sie riefen: „Die Brothusaren sind da“. Bauern standen auf und reichten ihnen ohne Frage Brot oder Speck.

En altes Sprichwort sagt: ,,Vann reimen lecken kommt de Rüens ant Liär friäten“. Die Bettler nahmen überhand. Es wurde nicht gebeten, es wurde gefordert. Machten die Bauern nicht auf, dann wurden Scheiben eingeschlagen oder Steine flogen durch die Scheiben. Das war keine Bettelei, es war Räuberei. Da wehrte sich der Bauer mit Hunden und Flinten. Bald schossen auch die , „Brothusaren“.

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Der Jäger Louis (8)

Aus „Heimatblätter für Castrop und Umgegend“, Nr. 7, Juli 1924

Von Rektor Schopohl Bodelschwingh

Der verstorbene Graf Karl von Bodelschwingh hatte einen Jäger. Louis von der Horst hieß er. Aber das wußten wohl nur der Graf und sein Rentmeister, allgemein bekannt war er nur als Jäger Louis oder der alte Louis. Seine Heimat lag am Niederrhein, und er sprach ein breites Plattdeutsch, so daß man ihn allgemein für einen Holländer hielt. Er war von kurz gedrungener Gestalt und hatte einen langen Vollbart. Sein ganzes Tun und Treiben drehte sich um Wald und Wild, um Hunde und Flinten. Wer nicht gut schießen konnte, der war bei ihm ein dummer Junge, auch wenn er von hohem Adel und Würdenträger war.

Louis war des Grafen treuester Diener, wenn er auch niemals eine Verbeugung machte, niemals mit demütiger Gebärde eine Bitte äußerte, dagegen recht oft gegen seinen Herrn die ausgewählteste Grobheit an den Tag legte. Auch mit ihm redete er nur Platt, auch ihn redete er nur mit Du an. Das stammte vielleicht aus der Jugendzeit des Grafen.

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Instruktion für den Nachtwächter der Kommune Bodelschwingh (7)

Mitgeteilt von Rektor Fr. Schopohl, Bodelschwingh, in:

Heimatblätter für Castrop und Umgegend, Nr. 2, Februar 1924

Einleitung

Friedrich Schopohl gibt für die Veröffentlichung der „Instruktion für den Nachtwächter“ als Datum den 3. Dezember 1815 an. Zu diesem Zeitpunkt war der Wiener Kongress beendet und das ehemalige Großherzogtum Berg von Napoleons Gnaden Preussisches Staatsgebiet. In der Wortwahl der Instruktion spiegelt sich noch die „Franzosenzeit“ wieder.

1. Die Nachtwache dauert vom 1. November bis 1. Mai, also sechs Monate.

2. Der Nachtwächter erhält das Bauernhorn, er verfügt sich damit abends Glocke Zehn aus dem Hause, patrolliert alle Stunden bis 4 Uhr morgens das ganze Dorf ab und kontrolliert sich selbst dadurch, daß er an dem ihm vom Vorsteher bestimmten Ort ein Signal durch Blasen und zwar um 10 Uhr einmal, um 11 Uhr zweimal, um 12. Uhr dreimal, um 1 Uhr einmal, um 2 Uhr zweimal, um 3 Uhr dreimal, um 4 Uhr viermal einen Ton durchs Horn gibt.

3. Sobald der Nachtwächter Feuersgefahr im Dorfe oder in der Nähe erblickt, bläst er Feueralarm und zwar dadurch, daß er anhaltend in langen Tönen bläst. Er weckt zugleich die Bewohner und benachrichtigt sie, wo das Feuer brennt.

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Ein Gerichtsurteil aus dem Jahre 1809 (6)

Heimatblätter , Nr. 10 Oktober 1924,

von Rektor Friedrich, Anton, Beda Schopohl, Bodelschwingh

In Sachen des Kammerherrn von Bodelschwingh – Plettenberg Klägers :/: verschiedene Eingesessene des Gerichts Bodelschwingh, nämlich wider den Schulte Lebbing, Tabe, Zur Nedden, Hohe, Ruthmann, Erdelhoff, Möllmann, Alef, Stamm, Leßmöllmann, Knuef, Wulff, Emsinghoff und Grasmann Beklagte erkennt der Ober-Appelations-Senat der Landesregierung zu Münster den Akten gemäß hierdurch für Recht, daß Kläger mit seiner , wider obbemeldete Eingesessene angebrachten Klage, wie heute geschieht, abzuweisen, auch schuldig die Kosten des Prozesses allein zu tragen. Das Urteil ist übrigens dem gesetzlichen Dimensionsstempel unterworfen.

Gründe: Kläger verlangt von den Beklagten vor wie nach die Leistung der ihnen bisher obgelegenen Spanndienste, Beklagte aber haben sich auf das allerhöchste Dekret vom 12. Dez. 1808 berufen, wodurch die Leibeigenschaft im Großherzogtum Berg völlig abgeschafft worden und sie als bisherige Leibeigene von allen Diensten unentgeldlich befreit worden wären. Nun hat zwar Kläger durchaus in Abrede gestellt, daß die Beklagten als wirkliche Leibeigene zu betrachten, indem notorisch keine Leibeigenschaft existiere und nie existiert habe, so daß das oben bemerkte Dekret auf diese Provinz niemals Anwendung leiden könne. Soviel Unkunde es indessen auf der einen Seite verräth, und so sehr man wesentliche Criterien mit zufälligen Eigenschaften verwechselt, wenn dann und wann einseitig behauptet worden, daß alle Bauern in der Grafschaft Mark ursprünglich Leibeigene gewesen, und sogar als solche noch jetzt betrachtet, mithin das Kaiserliche Dekret auf sie angewendet werden müsse, so ist doch auf der anderen Seite die Behauptung des Klägers zu gewagt, wenn er aus derselben einen exemtorischen [berechtigten] Einwand gegen die Beklagten herleiten will. …

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Die Bede (Pacht) und deren Ablösung (5)

von Friedrich Schopohl

Einleitung von Otto Schmidt

Um das Jahr 1850 wurde in Bodelschwingh das alte Feudalsystem mit der Bauernbefreiung in Preußen aufgelöst. Bis dahin konnte ein Dorfbewohner kein Eigentum an Grund und Boden erwerben, der gehörte dem Grundherren. Er hatte nur die Möglichkeit, das Land, auf dem das Hofgebäude aufstand und den Acker, auf dem er die Frucht anbaute, zu pachten. Die Pacht (Bede) war jährlich und direkt an den Grundbesitzer zu zahlen. Der Pachtvertrag  war nicht vererb- oder übertragbar. Sollte nach dem Tod eines Pächters die Hofstelle von einem Sohn der Familie weiter bewirtschaftet werden, musste das Pachtrecht mit der Zahlung eines Gewinns neu erworben werden.

Mit dem Inkrafttreten des Grundentlastungsgesetzes im Königreich Preußen bestand jetzt die Möglichkeit für den Hof-Aufsitzer (Bauer), den bisher gepachteten Grund und Boden mit einer Ablösung zu erwerben.

Otto Schmidt

Dazu wurde der Wert, Geld- und Sachwert (das Gefälle) der bisherigen Jahrespacht nach einem einheitlichen Verfahren berechnet. Diese Summe wurde mit 20 (Jahren, der Laufzeit des Vertrages) multipliziert und das war dann der Wert der Pacht, die zur Ablösung anstand.

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Was man sich in Bodelschwingh erzählt (4)

Was man sich in Bodelschwingh noch aus der Zeit vor 100 Jahren erzählt:

Heimatblätter für Castrop und Umgegend, August 1924, von Rektor Schopohl Bodelschwingh

Als Napoleon einst durch Westfalen kam, ließ er sich überall die Beamten vorstellen. So stand auch eines Tages der Herr von Bodelschwingh als Maire von Castrop vor seinem neuen Herrn. Napoleon blickte ihn scharf an und sagte nur das eine Wort: „Prusse!“ Der Baron entgegnete: „Majestät, dem Fürsten, dem ich untertan, dem war ich stets auch zugetan!“.

Alef aus Westerfilde, der die Reise nach Paris unternahm, um Napoleon eine Bittschrift über die Befreiung der Bauern zu überreichen, war, wie eben schon diese Reise beweist, ein sehr energischer Mensch. Das erzählte mir ein alter Mitbürger, der ihn zwar nicht mehr selbst gekannt, aber von seinem Großvater darüber erfahren hatte. Alef war kein großer, stattlicher Mann; er hatte kaum mittlere Größe. Eine Schulter war etwas ausgewachsen. Er trug einen bleuen Kittel, ledernen Zylinder oder Lederkappe und am Arm eine kräftige „Wispelte“. Alefs Energie zeigte sich auch gern auf Hochzeiten und Kirmessen. Davon erzählte auch die folgende Vorladung: „An den Munizipal Jöhe-Westerfilde wegen der auf dem Viehmarkt zu Mengede, den 28. September 1808 vorgefallenen Exzesse“.

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Die Befreiung der Bauern (3)

von der Leibeigenschaft

von Friedrich Schopohl

Wirtschaftliche und politische Zustände welche im Laufe von Jahrhunderten entstanden und gefestigt sind, lassen sich nicht im Handumdrehen ändern. Der erste große Versuch, Erbuntertänigkeit und Leibeigenschaft abzuschütteln, fand seinen gewaltsamen Ausbruch und sein furchtbares Ende im sog. Bauernkriege.

Einzelne Landesherren kamen allmählich zu der Einsicht, daß Aenderungen auf diesem Gebiete nötig waren. Daher erließ der Herzog von Cleve im Jahre 1522 eine Verordnung, welche das Abschließen von neuen Leibeigenschaftsverträgen verbot; und dies Gebot galt auch für unsere Gegend.

Friedrich Schopohl

Friedrich der Große gab den Bauern auf seinen Gütern die Freiheit, ebenso machte er die Ruhrbergleute frei, indem er unterm 16. 5. 1767 durch das berühmte ,,Generalprivilegium für die Bergleute im Herzogtum Cleve, Fürstentum Moers und der Grafschaft Mark“ den Bergleuten folgende Vorrechte verlieh:

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