Was man sich in Bodelschwingh erzählt (4)

 

Was man sich in Bodelschwingh noch aus der Zeit vor 100 Jahren erzählt. In:

Heimatblätter für Castrop und Umgegend, August 1924, von Rektor Schopohl Bodelschwingh

Als Napoleon einst durch Westfalen kam, ließ er sich überall die Beamten vorstellen. So stand auch eines Tages der Herr von Bodelschwingh als Maire von Castrop vor seinem neuen Herrn. Napoleon blickte ihn scharf an und sagte nur das eine Wort: „Prusse!“ Der Baron entgegnete: „Majestät, dem Fürsten, dem ich untertan, dem war ich stets auch zugetan!“.

Alef aus Westerfilde, der die Reise nach Paris unternahm, um Napoleon eine Bittschrift über die Befreiung der Bauern zu überreichen, war, wie eben schon diese Reise beweist, ein sehr energischer Mensch. Das erzählte mir ein alter Mitbürger, der ihn zwar nicht mehr selbst gekannt, aber von seinem Großvater darüber erfahren hatte. Alef war kein großer, stattlicher Mann; er hatte kaum mittlere Größe. Eine Schulter war etwas ausgewachsen. Er trug einen bleuen Kittel, ledernen Zylinder oder Lederkappe und am Arm eine kräftige „Wispelte“. Alefs Energie zeigte sich auch gern auf Hochzeiten und Kirmessen. Davon erzählte auch die folgende Vorladung: „An den Munizipal Jöhe-Westerfilde wegen der auf dem Viehmarkt zu Mengede, den 28. September 1808 vorgefallenen Exzesse“.

Der Munizipalrath Jöhe zu Westerfildt hat dadurch, daß er der Wache, welche den Alef bewachet, versichert: daß er die Erlaubnis habe, denselben mitzunehmen, dessen Befreiung vom Arrest bewirkt und dadurch eine vierwöchentliche bis sechsmonatliche Gefängnisstrafe verwirkt. Da mir nun die Untersuchung dieses Vorgehens von der Hochlöbl. Praefektur aufgetragen, so wird der Munizipalrath Jöhe vorgeladen, sich dieserhalb in Termino, den 16. Oct. morgens 8 Uhr persönlich zu verantworten und seine mit Beweismitteln unterstützte Verteidigungsgründe zum Protokoll zu geben, daß im Ausbleibungsfall er dieses Vergehens für geständig werde geachtet und der Befugnis sich schriftlich zu verteidigen verlustig werde.

Bochum, den 7. Okt. 1809

Bölling“.

Was aus der Sache geworden ist, ließ sich leider nicht mehr feststellen.

In jener Zeit lag in Bodelschwingh viel Einquartierung, und zwischen Quackmann und seinem Korporal besteht eine große Spannung. Endlich entlädt sie sich: Der Korporal schlägt Quackmann ins Gesicht. Quackmann schlägt mit der Faust auf den Kopf, daß er zusammensinkt. Schnell schlägt er den Ohnmächtigen über die Schulter und bringt ihn zum Nachbar, den Richter Then Bergh. Dort lag ein Offizier in Quartier. Then Bergh trägt die Sache dem Offizier vor, und der läßt den wieder erwachten Korporal 2 Stunden an den Lindenbaum vor Richters Hause binden; und das war am ersten Weihnachtstage. – Die Großmutter Drees hat dies vor Jahren ihren Enkeln erzählt, an dem Tage, da der alte Lindenbaum sich unverhofft vor den Augen der Jungen beinahe umdrehte, als wolle er die ganze Richterstraße mal gründlich besehen und dann umfiel.

Damals kamen auch die Russen ins Dorf. Alle Tennen standen voll Kosakenpferde. Glücklicherweise erzählte Drees Großmutter, hatten sie ein großes Faß Sauerkraut. Das aßen die Kosaken roh mit Essig und Pfeffer als Kappussalat. Gestohlen haben sie wie die Raben: Hühner, Enten, Gänse und die Kopfkissen, die sie als Unterlage für ihre Sättel benutzten. Wie unbeliebt sich diese Einquartierung gemacht hat, beweist das Wort: „Guat saun die Franzaus! Guot straof diän Ruß!“ sag de Daiern.