Grundsteinlegung Mariä Heimsuchung 02.05.1976

Liebe Heimatfreundinnen und -freunde,

wir haben hier ein fünfundvierzig Jahre altes Tondokument dieser Grundsteinlegung der neuen Pfarrkirche Mariä Heimsuchung mit Gemeindezentrum und Vikarie vom 02. Mai 1976. Wir haben es in gekürzt zusammengeschnittener Form in zwei Teilen mit ebenso historischen Bilddokumenten unterlegt und aufbereitet  zur Erinnerung an diesen Anlass – aber ebenso zur Erinnerung an all die mittelbar und unmittelbar Beteiligten, von denen viele nicht mehr unter uns weilen.

Das Tondokument verdanken wir Beda Breidung (+ 02.01.2021), der es als damaliges Pfarrgemeinderatsmitglied und gelernter Elektrotechniker auf einem UHER-Tonbandgerät während der Veranstaltung mitschnitt.

+ Beda Breidung im Jahre 1976

Sowohl das Gerät wie das Band wurden uns von Pfarrer Hubert Werning, dem Leiter des Pfarrverbundes Dortmund-Nordwest, zur Verfügung gestellt für die Digitalisierung und Archivierung – zur Erhaltung für die Zukunft und für die Auswertung und Gestaltung dieser Dokumentation.

Alle verwendeten Fotos stammen aus dem Archiv unseres Heimatvereins und den Privatarchiven von Hans-Joachim Schroeter und Wolfgang Schlesiger. Wenn sie genauer hinschauen und vielleicht die Filme dafür anhalten, werden Sie sicher viele Bekannte aus alter Zeit erkennen – und alle, die noch leben, waren damals 45 Jahre jünger!

Die zusammen mit dem Gemeindezentrum und der Vikarie gebaute neue Pfarrkirche Mariä Heimsuchung wurde im Juni 1977 vom in Dortmund geborenen damaligen Weihbischof des Erzbistums Paderborn Paul Nordhues konsekriert – also geweiht:

Der Dom Nr.30, 24.Juli 1977
Zeitungsbericht in den Ruhr-Nachrichten

 

 

 

 

 

 

 

Konsekration der neuen Pfarrkirche Mariä Heimsuchung im Juni 1977 durch Weihbischof Nordhues

 

Hier die beiden Filmclips mit dem Originalton der Grundsteinlegung:

 

Wolfgang Schlesiger / Hans-Joachim Schroeter

Im April vor 58 Jahren…

…, also 1963 wurde in Bodelschwingh neben dem Pfarrhaus der katholischen Kirchengemeinde Mariä Heimsuchung im Rohdesdiek 12 der Grundstein für ein neues Pfarrheim und einen Kindergarten gelegt. Die Segnung des Grundsteins wurde von Pfarrer Hermann Molsberger im Beisein des Kirchenvorstandes und anderer Gemeindevertreter  vorgenommen.

Pfarrer Molsberger bei der Segnung des Grundsteins. Foto: Archiv Heimatverein
Die Kassette für den Grundstein wird verlötet. Foto: Archiv Heimatverein

 

 

 

 

 

 

 

 

Ein Jahr später am 01. April 1964 wurden Kindergarten und Pfarrheim als Marienheim ihrer Bestimmung übergeben.

Im Pfarrheim waren damals der Kindergarten, Räume für Jugendgruppen, Versammlungsräume und die Wohnungen des Vikars und des Hausmeisters/Küsters untergebracht. Auch die ehemalige Pfarrbücherei hatte hier einmal ihren Raum. Die beiden Fotos zeigen „Reporter“ einer KJG-Jugendgruppe im Jahre 1974 vor dem Jugendheim im Rohdesdiek 12.

 

Fotos: Hans-Joachim Schroeter

Als weitere Nachrichten aus dem April 1963 vermeldete die Dortmunder Nord-West-Zeitung (Mengeder Zeitung) in ihrem Jahresrückblick:

„Im Ortsderby der ersten Handballkreisklasse schlug Germania Westerfilde den TV Mengede mit 12:10.“

„Mehrere Monate dauerten die Sprengungen auf ‚Westhausen‘, wo die alte Wäsche abgetragen wurde. Auf dem Gelände sollen Parkplätze angelegt werden.“

„Jungen und Mädchen der Bodelschwingher Freigrafenschule legten einen zweiten Schulwald an.“

„Durch eine 0:1-Niederlage beim TuS Bövinghausen vergaben die Fußballer der Germania Westerfilde ihre Aufstiegschance in die Bezirksklasse.“

Beitrag: Hans-Joachim Schroeter und Wolfgang Schlesiger

 

 

 

Klümpchen vonne Bude…

Kreuzung Deininghauser Straße/ Schloßstraße, Klümpchenbude mit Opa Fuge (l). Hier gab es auch Knickerwasser. Im Hintergrund: „Wieses Kotten“, heute Heim der Familie Vollmer. Foto: Archiv Heimatverein

…aber die Bude ist weg!

Jaja, die „Bude“ – oder „Selter(s)bude“, eher großspurig „Trinkhalle“, heute eher „Kiosk“ – für alle Kinder der Nachkriegsgenerationen (und nicht nur die) ein Begriff, eine Institution, wo man zwanzig oder dreißig Pfennig von Mama oder Oma in Süßigkeiten oder im Sommer in „Brause“ umsetzte.

Nicht nur, aber ganz besonders bei uns, im Ruhrgebiet zu finden. Früher selbstverständlich, überall – vorwiegend an Straßenecken – zu finden, immer offen, immer lecker.

Inzwischen nicht mehr so oft zu finden, seitdem Supermärkte bis 22 Uhr offen sind und Tankstellen eher Lebensmittel, Bier und Süßwaren verkaufen als Benzin und eines der Alleinstellungsmerkmale der Bude: noch offen auch nach der gesetzlichen Ladenschlusszeit – raubten.

Witz aus jener Zeit:

Fragt der Mantafahrer den Passanten: „Wo geht’s denn hier nach Aldi?“ Korrigierender Hinweis des Passanten: „ZU Aldi!“ Mantafahrer: „Wat denn, schon halb sieben durch?“

Aber die Bude ist inzwischen Kulturgut, wie ein Bildband von Dietmar Osses (Hrsg.: Die Bude. Trinkhallen im Ruhrgebiet. Herausgegeben im Auftrag des LWL-Industriemuseums. Klartext Verlag Essen 2009) und sein Artikel darin Von der Seltersbude zum Telefonshop (1), zeigt.

Auch Ausstellungen zur „Bude“, der Tag der Trinkhallen 25.08.2018 unter dem Titel „Kumpels, Klümpchen & Kultur“ und WDR-Geschichten (2) dazu zeigen die Buden und ihre Leute – die Betreiber drinnen und Kunden draußen.

Tja, die Bude – Motto: „Wir ham allet, watte brauchs, wat wir nich ham, brauchse auch nich!“ – Wolfgang und ich kamen eher zufällig zu diesem Thema.

Wir forschen derzeit in unserem Archiv zum Thema „Lebensmittelgeschäfte in Bodelschwingh und Westerfilde“, aufbauend auf den Vorarbeiten von Otto Schmidt zum Thema „Gewerbe in Bodelschwingh und Westerfilde“ – und kamen dann über die Erinnerungen an eine Filiale des Lebensmittelhändlers Radü, die sich mal Im Orde im ehemaligen kleinen Völkmann-Autopavillion an der Ecke Kösterstraße befand, darauf, dass es im Orde doch auch mal Buden gab.

Und die lagen auf unserem gemeinsamen Schulweg:

zuerst dem zur Freigrafen-Volksschule an der Bodelschwingher Straße, zu der wir vier Jahre lang aus dem Göllenkamp und von der Deininghauser Straße durch Im Orde und Bermesdicker Straße stiefelten,

später dem zur Straßenbahnhaltestelle der Linie 5 oben am Wachteloh, von wo aus wir in die Stadt zu unseren Schulen fuhren.

Aber wo waren die Buden?

Eine Im Orde an der Ecke zur Richterstraße und eine ein Stückchen weiter auf der anderen Straßenseite an der Ecke zum Wachteloh!

Was wir bisher herausgefunden haben:

  • die Bude an der Ecke zur Richterstraße wurde betrieben von (und gehörte wohl auch) Quenter,
  • die Bude an der Ecke zum Wachteloh gehörte dem Eigentümer des Hauses Wachteloh 1, dem Gem. Spar- und Bauverein Bodelschwingh e.G., der sie – weil seit langer Zeit nicht mehr genutzt – 1975 abreißen ließ und durch Garagen ersetzte. Wer sie betrieben hat, ist uns bislang nicht bekannt.

Bilder der Buden haben wir keine gefunden, auch keine Datierungen, wann diese Buden betrieben wurden und von wem (außer Quenter).

Unsere Bitte nun an Euch: habt Ihr Erinnerungen an diese Buden, wisst Ihr mehr, Genaueres? Und im Idealfall: habt ihr Bilder davon?

Wisst Ihr noch von anderen Buden in Bodelschwingh und Westerfilde, die nicht mehr existieren? Erinnerungen, Fotos, was auch immer?

Über jeden Hinweis würden wir uns freuen! Bitte wendet Euch dann an Wolfgang oder mich (Email: slmmnps12@gmx.de) bzw. an die Heimatvereinsadresse.

(1) siehe https://www.lwl.org/wim-download/pdf/Aufsatz_Osses_Seltersbude_Trinkhalle.pdf

(2) siehe https://reportage.wdr.de/tag-der-trinkhalle-9c9f9622-b891-4a5e-8f86-74aaddc18f6b#20672

Text: Hans-Joachim Schroeter

„Bodelschwingher Januar vor über vierzig Jahren“…

Bald ist der Januar des neuen Jahres 2021 schon wieder vorbei. Kein Eis, kein Schnee, aber immer noch Corona mit Kontaktbeschränkungen. Wir werfen einmal einen Blick zurück in den Januar 1979. Wie uns ein altes Zeitungsfoto zeigt, war der Schlossteich rund um Schloss Bodelschwingh zugefroren und das Eislaufen konnte man mit Freuden gemeinschaftlich genießen.

Eislaufen auf dem Schlossteich am Schloss Bodelschwingh.

Bereits ein Jahr früher, im Januar 1978, erschienenen in der Tageszeitung die beiden nachstehenden Bilder aus unserem Bodelschwingh.

Zeche Westhausen, im Vordergrund noch die Eisenbahngleise der Deutschen Bundesbahn und hinten noch der Förderturm über Schacht III.

Alle drei Bilder stammen aus einer Sammlung von Zeitungsberichten, aufbewahrt im Archivraum des Heimatvereins Bodelschwingh und Westerfilde e.V. In welcher Tageszeitung die Fotos seinerzeit erschienen, konnten wir leider nicht feststellen.

Zum Vergrößern der Bilder diese bitte mit der Maus anklicken.

Zusammenstellung: Hans-Joachim Schroeter und Wolfgang Schlesiger

Er kam von hier wech

Gedenktafel für Johann Wilhelm Möllmann
Foto: Gerd Obermeit

Johann Wilhelm Möllmann war Soldat im Befreiungskrieg der Preußen gegen die Armee von Napoleon (1813-1815). Er diente im 1. Westfälischen Landwehr-Infantrie-Regiment. Am 3. Juli 1815 ist er vor den Toren von Paris bei der Schlacht von Issy gefallen. Johann Wilhelm Möllmann war am 30. März 1790 in Bodelschwingh getauft worden. (Quelle: Dr. Ziesing). Weil es zu jener Zeit so zu sein hatte, ließ seine Taufgemeinde eine Gedenktafel (siehe Bild) für ihr im Krieg gefallenenes  Gemeindeglied anfertigen. Viel mehr wissen wir nicht über seine Person.** Er kam auf jeden Fall „von hier wech„, weshalb wir ihm mit der Archivierung seiner Gedenktafel ein Andenken bewahren wollten. Es ist davon auszugehen, dass die Gedenktafel zunächst an der Wand in der Schlosskirche hing. Bis wann, und was danach damit geschah, läßt sich heute nicht mehr nachvollziehen. Gefunden wurde sie im Jahre 1977 beim Abbruch der ehemaligen Gaststätte „Alt Bodelschwingh“ auf der Deininghauser Strasse. Der als sehr heimatverbunden bekannte Mitbürger Friedhelm Hertz (1930-2011) war darauf aufmerksam geworden und nahm sie an sich. Von ihm gelangte die Tafel schließlich viele Jahre später in unser Archiv.

Warum ich jetzt zu diesem Thema berichte:

„Er kam von hier wech“ weiterlesen

Barbarafeier Zeche Westhausen

Filme aus Bodelschwingh (3)

Der 4. Dezember ist der Tag der heiligen Barbara. Sie ist die Schutzheilige der Bergleute. Ihr zu Ehren findet seit vielen Jahren eine Andacht statt im Maschinenhaus der ehemaligen Zeche Westhausen in Bodelschwingh. In diesem Jahr kann die Barbarafeier wegen Corona erstmalig nicht stattfinden. Da paßt es gut, dass gerade aktuell der Film über die Barbarafeier aus dem Jahr 2006 von Jürgen Winkelmann neu überarbeitet  und über NRwision ausgestrahlt wurde.

Die Seniorengruppe der REVAG (Revierarbeitsgemeinschaft für kulturelle Bergmannsbetreuung) unter Leitung von Horst Schmidt hatte nach der Einrichtung des Museums mit der Durchführung der jährlichen Barbarafeiern begonnen. Heute ist der Geschichtskreis im Bergbaumuseum Zeche Westhausen unter der Leitung von Helma Adler der Veranstalter. Am 5. Dezember 2020 hätte die Barbarafeier wieder stattfinden sollen.

Es ist vielleicht ein kleiner Trost für alle, dass wir die Barbarafeier von 2006 noch einmal im Film der „Emschertal Movie Camera“ miterleben können. Herzlichen Dank für die freundliche Genehmigung an Jürgen Winkelmann und die Redaktion von NRwision.

Viel Spaß beim Entdecken bekannter Gesichter!

 

Text: Gerd Obermeit

Filme aus Bodelschwingh (2)

Im zweiten Teil unserer Reihe über Filme von Manfred Korf und Jürgen Winkelmann gehen wir zurück in das Jahr 2010. Für ihre „Emschertal Movie Camera“ drehten die beiden einen Film über zwei wichtige Veranstaltungen im Sommer vor nunmehr 10 Jahren.

Der Film beginnt in Westerfilde mit einem Bericht über die Wiedereröffnung der Westerfilder Strasse nach umfangreichen Umbauarbeiten. Am 20.06.2010 fand dazu ein Straßenfest statt, das der örtliche Gewerbeverein auf die Beine gestellt hatte. Sehen Sie selbst, was alles los war an diesem Tag in Westerfilde. Weiter geht es dann mit einem Bericht die Bodelschwingher Kirmes 2010.

Viel Spaß beim Entdecken bekannter Gesichter!

Text: Gerd Obermeit

Filme aus Bodelschwingh (1)

(1) Dorfrundgang mit Otto Schmidt in Bodelschwingh 2011

Bilder sagen viel, bewegte Bilder sagen noch viel mehr. Wir haben das Glück, dass es bei uns vor Ort Menschen gab und gibt, deren Leidenschaft die Filmerei ist. Diesen Enthusiasten verdanken wir zahlreiche heimische Filmdokumente, die wir Ihnen nicht vorenthalten wollen. Beginnen wir damit, wer die Filmemacher sind und wie sie überhaupt dazu kamen.

Manfred Korf in Aktion
Manfred Korf in Aktion

Manfred Korf (*1936 – ✝2017) wollte schon immer festhalten, was er sah. Zuerst mit dem Fotoapparat, dann mit der Filmkamera. Wenn irgendwo in Bodelschwingh und Westerfilde etwas los war, dann konnte man ihn mit gezückter Kamera vor Ort antreffen. Schon sehr früh hatte die Fotografie es ihm angetan. Irgendwann in den 1980ern brachte seine Frau Anneliese ihn dann auf die Idee, es mit der Filmerei zu versuchen. Zuerst mit einer Super 8-Kamera von Bauer, später mit dem Camcorder. Geschnitten wurden die Filme in aufwändiger Handarbeit auf dem Schneidegerät. Die Nachbearbeitung nahm meist ein Vielfaches der Drehzeit in Anspruch.

„Filme aus Bodelschwingh (1)“ weiterlesen

Gedenktafel und Trauerhalle des früheren Friedhofs Westerfilde

Unser Heimatverein Bodelschwingh und Westerfilde e.V. ist immer wieder auf Spurensuche zur Geschichte unserer beiden Ortsteile. Nun haben wir einen Zeitungsbericht zu der Gedenktafel der 104 im Ersten Weltkrieg beschäftigten gefallenen Bergleute der Zeche Westhausen in Dortmund – Bodelschwingh, im Archiv des Bergbaumuseums auf der Zeche Westhausen gefunden. Ein weiterer wichtiger Mosaikstein in der Nachverfolgung zur Geschichte des Weges der Gedenktafel. Eine genaue Datierung des abgebildeten Zeitungsartikels fehlt, aber es ist davon auszugehen, dass dieser Ende 1985 oder im Jahre 1986 erschien.

Aus dem Archiv des Bergbaumuseums auf der Zeche Westhausen in Dortmund – Bodelschwingh

Die Gedenktafel fand mit Hilfe der Stadt Dortmund im Februar 2020 den Weg zurück auf das Zechengelände der ehemaligen Zeche Westhausen, zwar nicht an den ursprünglichen Standort in der Lohnhalle, sondern in die Maschinenhalle von Schacht III , in der auch das Bergbaumuseum beheimatet ist. Berichte über die Anlieferung der Gedenktafel an das Museum, zur Montage, zur Einweihung und zur Geschichte finden Sie auch auf unserer Homepage.

Ein weiterer Bericht zur ehemaligen Trauerhalle, an der sich die Gedenktafel befand, findet sich im Neuen Wegweiser (Zeitung für Westerfilde, herausgegeben vom Ortsverein Westerfilde der SPD / Wolfgang Genth) vom September 1980. Hier wird die Gedenktafel nicht erwähnt, der Abbruch der Trauerhalle konnte aber damals offenbar für einige Jahre verhindert werden.

Sammlung Hans – Joachim Schroeter

Um die Lesbarkeit des Zeitungsberichtes über die Trauerhalle auf unserer Homepage besser darstellen zu können haben wir das Original etwas abgeändert. Das Original finden sie hier: https://www.heimatverein-bodelschwingh-westerfil.de/wp-content/uploads/2020/10/Trauerhallet2-scaled.jpg

Fall Sie, liebe Leser*Innen, weitere und ergänzende Informationen zu der Gedenktafel oder auch zur Trauerhalle haben, setzen Sie sich doch bitte mit uns in Verbindung. Auch würden wir uns über Fotos freuen, die noch den Ort der Anbringung der Gedenktafel in oder an der Trauerhalle auf dem ehemaligen Friedhof Westerfilde (heute Hainfriedhof) zeigt.

Wolfgang Schlesiger und Hans-Joachim Schroeter

Landwirtschaft und Industrie in Bodelschwingh

Wie es im Leben so geht: Meine Frau geht öfter auf einen Trödelmarkt, kauft dann so „dies und das“, meist mehr für Familie und Freunde als für sich selbst. Sie weiß, dass ich gern (und viel) lese und mich in unserem Heimatverein Bodelschwingh und Westerfilde mit den „alten Zeiten“ beschäftige. So brachte sie mir ein Buch mit, das mich  allein schon vom Gewicht her beeindruckte: Es war die

Chronik des Ruhrgebiets

und darin auf der Seite 380 dieses Bild, das ich dann auch in Kleinform auf der vorderen Umschlagseite in der Bilderkollage entdeckte:

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Foto von 1928: Zeche Westhausen aus der Sicht der Straße Wachteloh,  in Dortmund-Bodelschwingh“ , veröffentlicht in der Chronik des Ruhrgebiets des Chronik Verlages, WAZ Buch, Herausgeber Bodo Harenberg, 1987, Seite 380.

Das Foto (s/w) hat den Kontrast von Landwirtschaft und Bergbau zum Thema. Im Vordergrund die geernteten Korngarben, im Hintergrund, fast die ganze Breite des Fotos füllend, die Tagesanlagen der Zeche. Dazwischen, als Verbindung, die helle Giebelseite eines Wohnhauses an der Bermesdicker  Straße Nr. 5. Zu diesem und zwei weiteren Bildern folgt hier der Text aus dem o. a. Buch:

1928. Im Berliner Albertus-Verlag erscheint die Foto-Dokumentation >>Der Gigant an der Ruhr<<, die in eindrucksvollen  Momentaufnahmen ein zeitgenössisches Bild des Ruhrreviers, seiner Städte und Landschaften, seiner Menschen und ihrer Arbeit vermittelt.

>Es ist eine Kulturlandschaft von seltsamem Ausdruck. In Abwechslung ziehen die Werke der Hütten und Zechen an uns vorüber, mit ihren schwarzen Bergehalden, überragt von den Türmen der Fördergerüste und von qualmenden Schloten, an denen lange Rauchfahnen hängen. Dazwischen die Siedlungen, kleine Ortschaften und große Städte mit dunklen Häusern und Scharen von Arbeitern. Und hier und da, von allen Seiten schon eingeengt, Felder und Wiesen mit verstreuten Bäumen, die nicht mehr recht wachsen wollen und aus denen ein Bauernhof wie in eine fremde Welt schaut.<

Mit diesen Worten bereitet der Essener Historiker Hans Spethmann den Leser auf die Eindrücke vor, die ihn von 300 Fotografien erwarten. Es ist eine seltsam ferne, entrückte Welt, in die das Buch den Betrachter führt. Etwas düsteres, schwermütiges lastet auf allen Bildern, eine Faszination, der sich der Leser nur schwer entziehen kann.

Das Foto sprach mich sofort an nach dem Motto: Das ist doch, … ja sicher, das ist die Zeche Westhausen. Bei der Betrachtung des Bildes und dem Vergleich der Zechen-Gebäude und Wohnhäuser dachte ich spontan an das Buch „Wie unser Ruhrgebiet wurde“ von Hans Spethmann und an das Bild auf dessen vorderer Umschlagseite, vor allem an die Ähnlichkeiten mit dem obigen Foto. Dazu möchte ich mitteilen:

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Im Jahr 1936 erschien im Verlag für Sozialpolitik, Wirtschaft und Statistik Paul Schmidt / Berlin das Buch „Wie unser Ruhrgebiet wurde“ von Dr. Hans Spethmann in Essen. Dieses Buch ist vom Verfasser vermutlich mit dem Blick auf weite Bevölkerungskreise herausgegeben worden. Die Schreibweise und die Sicht auf Gegenwart und Vergangenheit hat sich bei bei dem Verfasser seit 1928 verändert, ist jetzt dem Zeitgeist angepasst. Dies wird schon im Vorwort deutlich und zieht sich dann wie ein roter Faden durch das ganze Buch.

Das Bild für den Einband hat Otto (Egon?) Jantke, Berlin gemalt, ein Aquarell. Als Vorlage diente wahrscheinlich das obige Foto. Sein Bild zitiert Elemente des Fotos, kopiert es aber nicht. So wird die Staffelung von Kornfeld, Wohnhaus mit Güterwagen und den Tagesanlagen der Zeche von drei auf zwei Ebenen reduziert und durch die Farben „Korn-gelb mit Lichtschatten“ im Vordergrund und „Blau-Töne“ im Hintergrund klar getrennt. Wesentliche Bildelemente hat der Künstler übernommen, einiges weggelassen und anderes ergänzend hinzu gefügt. Auffällig ist dabei die vergrößerte Anzahl der Schornsteine (4) mit den Rauchfahnen, die dem Bild Struktur und Dynamik geben. Das Fördergerüst über dem Schacht 3 wirkt stark verfremdet, war auf dem Foto aber auch kaum erkennbar.

Zu dem Bildband habe ich auch eine persönliche Bemerkung:

Dieses Buch stand während meiner Vorschul- und Jugendzeit als eines von wenigen Büchern im Wohnzimmerschrank meiner Eltern. Die Schrifttype (Fraktur) konnte ich nicht lesen, doch sagen Bilder  oft mehr als Worte.  Auch wegen des Bildes auf dem Einband war es bei mir beliebt. Wie es so geht: Die älteren Brüder hatten das Buch „durch“, der jüngste Bruder fand es wegen der politischen Einstellung des Verfassers nicht gut; irgendwann war es dann „weg“. Nachdem mein Vater verstorben war, hatte ich seinen Hausstand aufzulösen. Dabei fiel mir die Frage ein: „Wo ist denn das Buch mit dem Kornfeld und der Zeche geblieben?“ Meine Geschwister wussten es nicht und ich hatte mich damit abzufinden. Es war weg, bis ich vor einigen Jahren auf einem Trödelmarkt ein gut erhaltenes Exemplar fand und für viel Geld kaufte. Den Kaufpreis habe ich vergessen; die Freude es wieder zu besitzen ist geblieben.

Im Sinn der Entdeckerfreude wünsche ich den Leser*innen und Freund*innen des „Heimatverein-Bodelschwingh-Westerfil.de“ alles Gute.

Ihr Otto Schmidt

PS.: Vieleicht träumen Sie jetzt davon, etwas wieder zu entdecken? Dann machen sie sich auf den Weg, Ihre Zeit und Stunde ist gekommen!