Erinnerungen an das Kriegsende (21)

Erinnerungen aus der evangelischen Kirchengemeinde Bodelschwingh, zusammengestellt von Barbara Gerstein.

Nach 1933:

Die evangelische Gemeinde Bodelschwingh mit Pastor Rudolf Brink (in Bodelschwingh von 1929 bis 1964) wandte sich der bekennenden Kirche zu, die dem Nationalsozialismus kritisch gegenüber stand. Die Gestapo bestellte Pastor Brink und Elisabeth Freiin zu Innhausen und Knyphausen zum Verhör.

1941:

Mittel, die dem Presbyterium zur Verfügung standen, sollten für Kriegszwecke abgegeben werden. Sie konnten aber noch rechtzeitig für eine Runderneuerung der Orgel genutzt werden.

1943:

Pastor Brink wurde zum Wehrdienst eingezogen. 1947 kehrte er aus der Kriegsgefangenschaft heim. Das Gemeindeleben wurde aufrecht erhalten, so gut es ging. So führte Frau Brink für ihren Mann die Vorbereitung der Jugendlichen auf die Konfirmation weiter; die Pastoren Stratmann, Nebe und Köhler halfen aus bei den seelsorglichen Aufgaben.

1944:

Infolge der Kriegseinwirkungen wird der Kindergarten geschlossen.

Ein Bericht aus dem Alltag während der Kriegszeit:

Ich wollte doch was von denen.

Während des Krieges war in dem inzwischen abgebrochenen evangelischen Gemeindehaus die Bezugschein-Stelle. Mein damals elfjähriger Bruder Friedhelm (Drees) musste wegen der Beantragung eines Bezugscheines dorthin und grüßte wie üblich mit „Guten Morgen“. Nach diesem Gruß wurde er hinausgeschickt, mit der Bemerkung, ob er nicht wüsste, dass man ordentlich zu grüßen habe. Er ging hinaus und ging wieder hinein und grüßte besonders freundlich mit „Guten Tag“. Er wurde wieder hinausgeschickt mit dem Bemerken, er möge beim Eintritt mit „Heil Hitler“ grüßen. Das hat er dann auch getan und dann seinen Antrag erledigt. Zu Hause erzählte er den Vorfall. Seine Mutter fragte ihn, warum er nicht nach Hause gekommen wäre. Dann wäre sie mit ihm zur Bezug­schein-Stelle gegangen und hätte auch mit „Guten Tag“ gegrüßt. Die Antwort von Friedhelm war: „Ja, ich wollte doch was von denen.“

Das Grüßen von Uniformierten hatte ausschließlich mit „Heil Hitler“ zu erfolgen. Beim Einmarsch der Amerikaner und Engländer, der nach mehrtägigem Artilleriebeschuss erfolgte, wurde Haus um Haus von den vorrückenden Truppen durchkämmt. Die Haustür von Narath war abgeschlossen. Als die Soldaten dort an der Tür rappelten, eilte Wilhelm Narath nach vorn und öffnete sie. Vor ihm stand ein Uniformierter. Wilhelm Narath grüßte: „Heil Hitler Herr Amerikaner, kommen Sie herein.“ „Oh, Du Nazi“, sagte der Amerikaner und wollte ihn gefangen nehmen.

Narath hatte sich schnellstens entfernt und auf dem Heuboden versteckt. Tagelang kamen die Besatzungssoldaten noch, um den „Mann mit der Brille“ zu suchen.

Entnommen aus dem Artikel „Erinnerungen aus der Zeit nach 1933“ in der Jubiläumsschrift „675 Jahre Kirche in Bodelschwingh“ von 1997, der Zeittafel der REVAG (Revierarbeitsgemeinschaft für kulturelle Bergmanns­Betreuung) und der Chronik „Kriegsjahre im Stadtbezirk Mengede“.